Hommage an den Gitarrenmann ohne Gesicht
„Die Spiegel an der Wand bilden die letzte Instanz des guten Gewissens.“
Du stehst draußen, siehst hinein auf die Bühne in den Raum.
Durchschaust das Spiel der Figuren an den Fäden, gebunden, wie die Kinder,
mit großen Augen gefesselt an das Farbenspiel, den Sprechgesang der
Fadenzieher im Hintergrund.
Ein gutes Kind kehrt zurück, setzt sich in die
zweite Reihe, sorgt für Ruhe, bestreitet kaum einmal selbst so Kind gewesen
zu sein. Ohne Grund, ohne Verstand, die Vorstellung verfolgt. Mitgefiebert, „Ja“
gesagt, zu allem, zu jedem, denn das was da passiert ist die einzige Geschichte.
Ihr Sinn ist der Fortbestand und die Zerstörung. Ihre Mittel sind menschliche
Krankheit und der Glaube an das ewig Gute in jeder Möglichkeit.
Wenn am
Ende jeder Szene wieder der Trauermarsch gespielt wird und alle Fäden reißen,
jubelt das junge Publikum, in wahre Tränen gehüllt, zum Abschied dem Bösewicht.
Du stehst draußen, siehst hinein auf die Bühne, in den Raum. Durchschaust das
Spiel der Figuren an Fäden, gebunden wie die Kinder, du warst selbst eins von ihnen.
Ein ruhiges.
Aufmerksam hast du alle sieben oder fünf beobachtet. Acht wache Augen ruhen im
Dunkel. Warten, klammern sich an den letzten Sonnenschein, im Vorhang gefangen,
webt ein Stück aus tausend Strahlen dem Ersten zum Trotz, dem Zweiten zum Fürchten,
dem Dritten zum Wohl und dem Vierten zur Anerkennung.
Sei ein gutes Kind, kehr zurück,
leg die Hoffnung beiseite, stell die Träume an die Wand, gib der müden Frau einen
Abschiedskuss und setz dich in die zweite Reihe. Sorg für Ruhe.
Vergiss den Tag an dem
du deine Augen losgelöst hast vom Puppenspiel, ganz ruhig deinen wachen Blick hast
wandern lassen durch die Reihen, durch die Mauern, durch den Flur.
Dreh am Ende dieses Weges ich doch kaum.
Doch in der Hoffnung bleib ich stehen,
Zweite Reihe,
Leerer Blick,
glaub nur an das Wiedersehen,
Komm und hol mich,
Komm zurück.
Meine Hände sind gebunden, die Füße treten in den Sand.
Nein, fest ist keine neue Seite im Tagebuch meiner Beschuldigung.
Fest ist keine Randverziehrung.
Schnörkel wie ein Kettenglied eingereit in stumme Ordnung,
Was verbindet ist kein Band.
Nur die Spiegel an der Wand blenden den, der steht, schon bereit, vom Karussell der Zeit
zu springen. Blenden und Verblenden die Aussicht zum Ausgang. Am neunten Tag ist alles aus. Dann |

keine Zugabe 2011 |